Erläuterungsbericht
> Nutzungskonzept (HTML)
> Gestaltungsplan (JPEG)


Ideenwettbewerb Radevormwald
Dahlhausen an der Wupper


Erläuterungsbericht

„Stadtcharaktere bilden sich, wie individuelle menschliche Charaktere,
also Schicht um Schicht, als Überlagerung unterschiedlicher historischer Erfahrungen.
Was historisch geworden ist, ist nicht weg, sondern sedimentiert zu einer neuen Schicht des Stadtcharakters“
(Hoffmann-Axthelm, 1996)

„Das Wesen der historischen Stadt liegt in der Synthese aus der Ursprungsform und den
Veränderungen des Geschichtsprozesses, aus dem Dualismus von Kontinuität und Entwicklung.“
(Kiesow, 2000)

Der Entwurf berücksichtigt die historischen „Sedimente“, regionale Zusammenhänge und die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart. Bestimmend für den Entwurf sind ein sensibler Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden, deren sinnvolle Ergänzung und Umgestaltung, die Nutzung der endogenen Potentiale der Fläche und ihrer nahen Umgebung, sowie die Integration von Nutzungen, die vor der Planungsrealität und damit gesellschaftlichen Entwicklungen Bestand haben.

Die Spannung aus Kontinuität und Entwicklung lässt sich an der Kernidee des Entwurfs ablesen.

Ein kreativer gestalterischer Umgang mit den leer stehenden Industriegebäuden und die Integration von neuen Nutzungen bilden den Kern der Konversionsbemühungen und stellen auch das Zugpferd für die Belebung des Geländes: komplementär zur Strategie der „Regionale 2006“, welche auf Außenwirkung und Präsentation setzt, entsteht ein Tagungs- und Seminarhaus, in dem Unternehmen und Bürgern aus der Region Rückzugsmöglichkeiten für Konferenzen, Fortbildungen und Kurse angeboten werden.

Durch einen Rückbau minder- und untergenutzter Gebäude werden Flächen frei, welche die Enge der Wupperaue im Tal auflockern, Freizeit- und Erholungsraum bereitstellen und teilweise mit ergänzenden Nutzungen wie Wohnungen und Ateliers bebaut werden.

Der Freiraum zeigt sich gestaltetet und geordnet, bildet so einen Gegensatz zur Natur, die das Gelände umgibt, nimmt die städtebaulichen Achsen des Geländes auf und verbindet Bestand und Neubau miteinander.

Ansicht SüdenDas Nebeneinander von leerer und voller Fläche löst sich durch eine Vielzahl unterschiedlich ausgestalteter Orte auf und bietet Bezugspunkte für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer. Durch die Zugänge zur Wupper, der Promenade, die Nutzung von Regenwasser für die Schaffung räumlicher Qualitäten im Freiraum und das Sichtbarmachen von Wasserenergie und Wasserkreislauf kommt dem Element Wasser hier eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von diesen Bezugsorten zu.

Die bestimmenden Entwurfselemente sind die linearen Strukturen des Bestandes, die sich an der Topographie und an der Wupper orientieren und durch den Schwung des Tales immer wieder gebrochen und abgewinkelt werden. Diese Form wird durch den Neubau und die Freiraumgestaltung aufgenommen. In der zweiten Dimension bildet der Neubau mit dem Bestand eine klare städtebauliche Figur, in der dritten Dimension jedoch setzten sich Neu und Alt zueinander in spannungsvollen Kontrast.

Nutzung und Gestaltung
> Nutzungskonzept (HTML)
> Gestaltungsplan (JPEG)

Das Gelände wird in 4 komplementäre Nutzungszonen eingeteilt: Arbeiten, Wohnen,Freizeit und Erholung, sowie Natur und Technik.

Das Haupthaus der ehemaligen Textilfabrik wird zu einer Tagungsstätte, zu einem Bürogebäude für Dienstleistungen und kreative Berufe, das Kontorhaus an der Wupper zu einem Gästehaus umgebaut. Der Flügelbau wird rück- und umgebaut, durch einen Wintergarten ergänzt, und stellt als Gastronomiebetrieb das verbindende Element zwischen Tagungsstätte und den kombinierten Atelier- und Wohngebäuden dar. Im Ensemble mit diesen Gebäuden bildet er einen zum Wasser geöffneten Platz, der einer Multifunktionsfläche auf der anderen Seite der Wupper gegenüberliegt.

Zwischen der Tagungsstätte und den Atelierwohnhäusern wird hinter der historischen Fassade an der Hardtstrasse eine Einganghalle gebaut, welche die Parkpalette, das Tagungshaus und den Werkshof miteinander verbindet.

Die vorhandene Wohnbebauung am Raderberg wird sinnvoll ergänzt durch eine neue flexible Bebauung, welche die Topographie nutzt. Es bildet sich ein begrünter Straßenraum mit neuer Qualität.

Das Wasserkraftwerk steht als Abschluss des multifunktionalen und terrassierten Parks als Solitär. Die technischen Anlagen werden für Besucher einsehbar gemacht.

Rückwärtig der neuen Wohnhäuser, befinden sich angelehnt an den Verlauf des ehemaligen Obergrabens ein kleiner Weg und Regenwasser-Retentionsbecken. Dieser ruhigere private Bereich ist für die Bewohner ein Gegenpol zur Wupperpromenade, welche als Verbindung zwischen Tagungsstätte und Park auch bei Nacht beleuchtet ist und an den Wupperterrassen mit einem Lichtkunstobjekt einen Abschluss findet.

Der alte Schornstein (schon von weitem als Landmarke sichtbar), eine großformatige Installation am Eingang des Geländes, und das Ensemble aus denkmalgeschützten und neuen Gebäuden geben dem Ort seinen Charakter bzw. sind Identität stiftende Elemente.

 

Lars Bursian
Arndt Husar
© 2004